Kunstführung im Hotel Zusätzlich zu den Gemälden (und es sind großartige Beispiele im Frühstücksraum zu sehen, die die Affinität von Vostell als Antagonist des Todes mit dem weiblichen Körper und der Erotik illustrieren – eine Anspielung auf Picassos Tauromaquia) entwickelte Vostell außerdem die künstlerische Form der Dé-Collage. Der Begriff hat Konnotationen des in die Lüfte hebenden Flugzeugs, des Auseinanderziehens von zusammen klebenden Gegenständen und des Todes und beschreibt zudem Vostells Technik, bei der nebeneinander oder übereinander gelegte Poster so lange auseinandergerissen werden, bis gegensätzliche Motive und Fragmente daraus entstehen.
Die Absurdität des Lebens kristallisiert sich in dem Bild durch das Nebeneinanderlegen ernster und trivialer Themen. Dé-Collagen sind im gesamten Hotel vorzufinden. Darüber hinaus befindet sich auf jeder Etage ein in die Wand eingelassener Schaukasten mit je einem Materialbild zum Thema Berlin, eine eindrucksvolle bildliche Darstellung zerstörerischer Kraft in Form von Düsenjets oder Handgranaten über den berühmten Wahrzeichen der Stadt.
Vostell plante, choreografierte und dokumentierte seine Happenings oft in Zusammenarbeit mit Musikern in collageähnlichen, handgeschriebenen Texten und Zeichnungen und unterzeichnete diese mit seiner unverwechselbaren Unterschrift, einem Strich von rechts nach links. Die Partitur des Konzerts „Le Cri“, der bisher größten Musik-Skulptur aller Zeiten in der Galerie Lavignes in Paris (1990), ist in der zweiten und siebten Etage des Hotels zu finden. Darunter sind die Themenbereiche Vostells in immer neuen Variationen zu erkennen: das Brandenburger Tor, Autos, weibliche Körper und „La Tortuga“, die auf den Rücken gedrehte Lokomotive – ein Symbol der veralteten Kriegstechnologie. Letztere ist Vostells größte Skulptur aus dem Jahr 1993. Sie befindet sich heute im deutschen Marl.
Vostell starb 1998 und hinterließ ein auch heute noch sehr zeitgenössisches Lebenswerk, das durch seine Relevanz immer wieder alte Erinnerungen aufwirbelt.
Nach Ihrer Tour durch dieses bemerkenswerte Gebäude, das so reich an neuen Eindrücken ist, laden wir Sie zur Entspannung ein. Hier können Sie die Gesellschaft von Vostells kleinen, polierten Skulpturen genießen, die an antike Skulpturen erinnern, wie der Diskuswerfer oder ein anmutiger weiblicher Torso, und dennoch nach Vostells Art mit Fernsehbildschirmen modernisiert wurden. Das Design des Hotels wurde von den Architekten bei Nalbach Nalbach sorgfältig mit der Kunst koordiniert. So tauchen fließende Wellenformen immer wieder auf – offenkundig auf dem sogenannten Hockney-Teppich und dezenter in kleineren Details. Das gesamte Hotel ist eine prachtvolle Huldigung an Wolf Vostell, und unsere Priorität liegt darin, Ihren Aufenthalt zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen.